Schülerlotsen

Schülerlotsen

Jeder kennt sie (zumindest vom Sehen) und mancher hat vor einigen Jahren selbst schon an der gleichen Straßeneinmündung vor der Wöhlerschule gestanden und mit der Kelle den Verkehr geregelt. Wer in der letzten Viertelstunde vor Unterrichtsbeginn schon einmal genau beobachtet hat, wie viele Fußgänger, Autos, Fahrräder und Motorräder dort vorbei kommen, der weiß, dass die Schülerlotsen keinen leichten Job haben. Die meisten der mehr circa 1500 Schülerinnen und Schüler treffen innerhalb dieses kurzen Zeitraums ein: Sie rollen mit dem Fahrrad vorbei zu den Fahrradständern, strömen in Pulks über die Gehsteige aus Richtung U-Bahn kommend, werden von den Eltern mit dem Auto gebracht oder sind selbst mit dem Auto auf der Suche nach einem geeigneten Parkplatz. Hinzu kommen die Schülerinnen und Schüler der benachbarten Heinrich-Seliger-Schule und auch der Anne-Frank-Schule. An fast keiner anderen Schule in Franfurt sind Schülerlotsen mit einer so unübersichtlichen und schwierigen Verkehrssituation konfrontier wie bei uns. Das liegt unter anderem auch an der Einmündung der Carl-Goerdeler-Straße auf die Mierendorffstraße. Der Einsatz an den beiden Zebrastreifen muss hier nämlich gut koordiniert erfolgen.

Es braucht schon eine gehörige Portion Selbstbewusstsein um mit einem energischen Zeichen den Autofahrern einen Stopp zu signalisieren und auch um den ankommenden Schülern auf dem Gehsteig Einhalt zu gebieten, wenn der Verkehr wieder freigegeben wird. Und vor allem ist es für einen Schülerlotsen notwendig, dass er überlegt und mit sicherer Kenntnis der Verkehrsregeln agiert. Dies alles wird ihm bei einem Lehrgang von Frankfurter Polizisten der Jugendverkehrsschule beigebracht. Ausgebildet werden immer Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse am Ende des Schuljahres, die dann im darauffolgenden Jahr ihren Dienst tun. Dieses Wort ist sicherlich angemessen, denn es handelt sich um eine völlig freiwillige, ehrenamtliche Tätigkeit. Anerkennung findet dieser soziale Dienst an der Wöhlerschule durch entsprechende Vermerke im Zeugnis und kleine Geschenke von der Verkehrswacht (z. B. Freikarten fürs Eisstadion oder Schwimmbad). Außerdem veranstaltet die Jugendverkehrsschule der Polizei zusammen mit der Verkehrswacht gegen Ende eines Schuljahres für alle Frankfurter Schülerlotsen ein Fest. Dort werden auch die Kandidaten für einen Landeswettbewerb der Schülerlotsen ermittelt, der schließlich sogar in einen Bundeswettbewerb mündet. Die jeweiligen drei Bestplatzierten werden mit Preisen geehrt.

Seit es den Schülerlotsendienst in Deutschland gibt (das sind schon über 50 Jahre), hat es noch nie einen tödlichen Unfall an den betreuten Straßenübergängen gegeben. Besonders wichtig ist die Steuerung des Fußgänger- und Autoverkehrs für die jungen Verkehrsteilnehmer: Das sind bei uns die Schülerinnen und Schüler der unteren Klassen und – ganz wichtig – die Grundschüler der Heinrich-Seliger-Schule. Gerade die Kleinen können die Straßen nicht so gut einsehen, die Geschwindigkeiten der ankommenden Fahrzeuge noch nicht so gut einschätzen und werden von den Autofahrern auch nicht so gut gesehen wie die Großen.

Martin Wüst / 2009-12-27

 
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