Wöhlerwildnis
Der Beginn: Wiese statt Rasen und Grün statt Grau. 1983 haben vier BiologielehrerInnen bei einem Schoppen Wein die Idee: Unsere Schule muß grüner werden. Die Idee wird Schülern von vier Oberstufenkursen vorgetragen. Diese sind begeistert und möchten am liebsten gleich am nächsten Tag den Spaten in die Hand nehmen. Das Motto "Arbeiten mit Herz, Hand und Verstand" spricht an. Die Schüler ersinnen den Wahlspruch "Mit Natur zum Abitur". Gemeinsam wird für das Gesamtgelände der Schule ein Konzept erarbeitet. Hinzugezogen wird das Gartenamt der Stadt (deren Motto: "Wir helfen Euch, wo es geht, aber es darf nichts kosten"), der Hausmeister, die Schulleitung und Eltern. Heraus kommt die Planung für folgende Projekte:
Ein Teich, eine Wildwiese, ein Schulgarten, ein "Grünes Klassenzimmer", begrünte Fassaden. Im Frühjahr 1984 wird mit der Realisierung begonnen. Durch den ersten Preis beim Wettbewerb der Frankfurter Sparkasse "Bring Natur zur Schule" werden die Medien aufmerksam; es gibt einen 45-Minuten Film im Hessischen Rundfunk und Artikel in der lokalen Presse.
Integration der Projekte in den Biologieunterricht: 1985:Biologie-Arbeitsgemeinschaften werden installiert; die Arbeit droht den Beteiligten über den Kopf zu wachsen.Die KollegInnen betrachten unser Tun wohlwollend und unterstützen uns zumindest moralisch. Es wird ein innerschulisches Curriculum für den Biologieunterricht erstellt in dem die Möglichkeiten für praktisches Arbeiten in den Projekten enthalten sind.
Die Ökonomie als Beginn fächerübergreifender Aspekte: Von Beginn an waren wir - nach einer freundlichen Anschubfinanzierung durch die GFFW - finanziell weitgehend autark. Zur Finanzierung hatten die SchülerInnen eine Idee, die seit nun 10 Jahren umgesetzt wird: Der Pausenverkauf wird von den SchülerInnen organisiert; der Erlös fließt in unsere Kassen. Zwangsläufig wurden alle Beteiligten mit Fragen der Ökologie und der gesunden Ernährung (Frischmilch in Flaschen, Verpackungen, Süßigkeiten etc.) konfrontiert. Aufgenommen wurden solche Fragestellungen dann z.B. im Fach Arbeitslehre, das seit zwei Jahren bei uns unterrichtet wird. Ebenfalls zur Finanzierung trugen der Verkauf von Buttons, die im Kunstunterricht entworfen wurden, und der Verkauf von Schulheften aus Recyclingpapier (Idee eines Wahlpflichtkurses) mit unserem Logo bei.
Umwelterziehung: Immer deutlicher wurde uns, daß im Zusammenhang mit Ansprüchen an "Umwelterziehung" eine inhaltliche und personelle Erweiterung folgen muß. Verstärkt wurden solche Denkrichtungen dadurch, daß die Wöhlerschule die deutschen Gymnasien im OECD-Versuch "Environment and School Initiatives" vertrat. Eine Einbindung anderer Fächer neben der Biologie wurde hartnäckig und mit kleinen, schrittweisen Erfolgen betrieben. Durch Physiker, die dazukamen, wurde Energie zu einem wichtigen Thema. Dies führte zur Planung des Energiesparhauses durch eine Schülergruppe.
Auswirkungen auf den Alltag in der Schule: Eine Projektwoche wurde zum Thema "Umwelt" - zusammen mit Nachbarschulen - durchgeführt; Aktionstage zu Themen wie "Abfall" fanden statt; Umweltfreundlicher Artikel wie Schulmaterialien, Trinkflaschen, Butterbrotdosen u.a.m. wurden verkauft; Ein Pädagogischer Tag zum Thema "Die Kinder sind anders geworden, wie anders müssen wir handeln?" wurde inhaltlich und methodisch mitgestaltet. Auswirkungen nach außen: Zunehmend wurden die "Macher" der Wöhlerwildnis aktiv integriert bei der Lehreraus- und fortbildung, beim Naturschutz Zentrum Hessen, beim Hess. Institut für Lehrerfortbildung, bei der Deutschen Gesellschaft für Umwelterziehung, auch durch die Mitarbeit im Programm der Stadt Frankfurt "Umwelt lernen in Frankfurt" Zunehmend kamen auch Gruppen von Schülern, Lehrern und auch Eltern anderer Schulen zur Wöhlerschule selbst, um sich dort zu informieren.
Öffnung der Schule - nach außen und nach innen Schon in den ersten Jahren entwickelten sich Aktionen - in der Regel auf Ideen von SchülerInnen basierend - in das Umfeld der Schule hinein. Beispiele: Seit einigen Jahren können Anwohner ihre Gartenabfälle bei uns abgeben oder abholen, wir schreddern und kompostieren diese. Wir verkauften Rindenmulch unter dem Motto "Torf gehört ins Moor" bei Nachbarn und Eltern. Eine Information zum Thema "Problemabfälle" im Umfeld wurde gekoppelt mit einer Sammelaktion von Spraydosen, Lackresten u.a. Neuestes Kind unserer Entwicklung ist das "Ökohaus", von dem an anderer Stelle berichtet wird. Öffnung nach innen heißt für uns: Beitragen zur Erarbeitung von Konzepten, mit denen der Schulalltag den Anforderungen, die an Schule und Schüler gestellt werden, gerecht wird.
Unsere Vision: Umdenken an der Schule wird zum Prozeß. Die Wöhlerschule wird Ökostation im Stadtteil.
Zuletzt aktualisiert am Freitag, 15. Januar 2010 um 18:50 Uhr
